Spätestens seit "A night at the opera" hauen Blind Guardian
derart vielschichtige bis undurchdringbare Klangwerke raus,
dass man es kaum wagt frühzeitig eine Bewertung abzugeben,
geschweige denn überhaupt eine Meinung zu entwickeln, die
man ruhigen Gewissens auch Monate und Jahre später
vertreten kann. Habe ich wichtige Details ignoriert, die
Message nicht verstanden, am Konzept vorbeigehört? Bin ich
etwa zu einfach gestrickt, um mich mit diesen Alben
überhaupt objektiv beschäftigen zu können? Klar, meine
Hörgewohnheiten haben sich mit den Jahren meines Fandaseins
genauso gewandelt wie meine musikalischen
Ansprüche. "Beyond the red mirror" machte mir den Einstieg
nicht leicht - genauso wie bei "A Twist in the myth" und
dem tollen Vorgänger "At the edge of time" spielt man
zunächst das
Album rauf und runter - mit einem bedeutenden Unterschied:
Ich habe mich relativ schnell dabei ertappt wie ich
Passagen oder ganze Songs wiederholt habe, weil mich
bestimme Gitarrenparts, eine Gesangslinie oder eine
Stimmung in ihren
Bann gezogen hat. Ich will nicht sagen, dass BG zur alten
Eingängigkeit zurückgefunden haben, aber BTRM macht mit mir
etwas, was seit "Nightfall in Middle-Earth" nicht mehr
passiert ist: Ich komme einfach nicht mehr los von diesen
mitreißenden Songs, von diesen Leads, den geilen Chören und
den immer gut platzierten Orchesterparts. Trotz der irren
Komplexität ihrer Songs verzetteln sich BG nicht, sondern
kommen wirklich immer auf den Punkt. "Jump through the
mirror, leave fear behind" kann ich nur jedem mitgeben, der
Blind Guardian spätestens mit "NIME" aufgegeben hat.
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JUROR II★★★★★☆

ZWEI BLICKWINKEL
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